Fibonacci Projektion

Als Projektion bezeichnet man den Versuch, Preisziele mit Hilfe von Fibonacci-Verhältnissen festzulegen. Es gibt hier zwei Grundverfahren, das erste bekanntere geht von der letzten Bewegung in Trendrichtung aus, das andere stattdessen von der letzten Bewegung gegen die Trendrichtung, also der Länge des letzten Retracements. Idealerweise sollte man beide verwenden, da die Preisziele, die beiden gemeinsam sind, die höhere Trefferquote besitzen.

Den Marktprojektionen kommt eine besondere Wichtigkeit zu: Die meisten Marktteilnehmer verwenden nämlich ausschließlich die Retracements, daher funktionieren die Projektionen in den heutigen Märkten besser, weil sie eben der Mehrheit unbekannt sind. Die meisten Händler nehmen diese Zielprojektion zu Gewinnmitnahmen. Interessanter ist es allerdings, sie noch auf zwei andere Weisen zu verwenden:

  1. Man benutzt sie Selektion der Trades, ergibt sich ein klares Korrekturmuster, d. h. bei einer Wende auf einem Fibonacci-Retracement. Gehen die Kurse wieder in Richtung des alten Trends, gibt das dann errechnete Preisziel eine erhöhte Sicherheit, denn wenn die Kurse einmal auf einem Fibonacci-Niveau gewendet haben, ist es sehr wahrscheinlich, daß sie auch ein Preisziel aus einer Fibonacci-Projektion erreichen werden.
  2. Findet auf dem so gefundenen Preisziel dann eine Wende statt, kann man in die neue Richtung handeln, besonders, wenn andere Indikatoren ebenfalls für eine Wende sprechen. Auf diese Weise können die Projektion in beide Richtungen gehandelt werden und sind daher noch interessanter als die Retracements.

Nach Möglichkeit sollten sich die verschiedenen Projektionen schneiden, zumindest sollte sich ein Gebiet herausbilden, wo viele Projektionen nahe beieinanderliegen. In dem Augenblick dann, wo dieses Gebiet erreicht wird, sollte man prüfen, ob auch andere Indikatoren auf eine Wende hindeuten, z.B. über die Zeitanalyse. Häufig wird es vorkommen, daß die Situation unklar ist, weil die sich ergebenden Ziele zu stark divergieren.

In einem solchen Fall geht man einen Zeitrahmen höher, also z.B. von 5-Minuten-auf Stundencharts, usw. und orientiert sich dort. Auch die Ziele von Tages- und Wochencharts sind häufig wichtiger als die, die man in den Zeitrahmen findet, die man handelt. Sowohl bei den Preiszielen, die sich aus den Retracements ergeben, als auch bei denen, die man über die hier dargestellten Projektionen findet, pflegen sich die Kurse meist zu beschleunigen, wenn sie hier Wende machen.

Dies ist einer der Gründe, warum die Fibonacci-Analyse im Bereich des Devisenhandels eine so zentrale Bedeutung gewonnen hat, denn hier fehlen viele andere Orientierungspunkte, z.B. Eröffnungskurse, usw., da es sich um ein 24-Stunden-Traden handelt, wo auch Volumen und andere Indikatoren nicht zur Verfügung stehen. Wenden auf den Fibonacci-Niveaus allerdings bringen fast immer Trades, die lang genug sind, um Gewinne zu machen.

Verlängerte Fibonacci-Projektion

Besonders beim Aktienmarkt findet man die häufige Erscheinung, daß innerhalb einer Bewegung sich zweimal ein Fibonacci-Verhältnis bildet, getrennt von einer nur kurzen Seitwärtsbewegung oder -korrektur. Zum Beispiel findet man beim Daytraden häufig eine Bewegung von z.B. 1,27 der vorangegangenen Bewegung (dies kann auch die letzte Bewegung von gestern sein, wenn es sich um die Eröffnungsbewegung handelt)und nach einer kurzen Konsolidierung verlängert sich die Bewegung von 1,44 der vorangegangenen Bewegung.

Die wichtigsten Preisprojektionen

Von der Impulsbewegung zur Gesamtbewegung
Unter Impulsbewegung versteht man immer eine Bewegung in Richtung eines Trends, also nach oben oder unten. Davon abzuheben ist die Korrekturbewegung, die einen Teil der Impulsbewegung retraced, vgl. hierzu Elliot und Fibonacci-Retracements. Bei dieser Technik schließt man jetzt also von der Größe der Impulsbewegung auf die Gesamtbewegung, die aus der Impulsbewegung der Korrekturbewegung und der folgenden Impulsbewegung besteht, d. h. man schließt auf die Höhe des Preisziels der Trendbewegung, die auf die Korrektur folgt.

In der Elliot-Wellen-Terminologie, wie die einzelnen Wellen numeriert werden, bedeutet dies, daß man von der Größe der Welle V1 auf das Ende der Welle 3 schließt. Im Normalfall wird die Welle 1, also die erste Impulsbewegung entweder 0,382 oder 0,618 der Gesamtbewegung betragen. Seltener treten auch die Verhältnisse von 0,5 auf und von 0,236. Die am häufigsten verwendeten Multiplikatoren sind 0,618; 2,618; 2,0; 4,236. Ander ausgedrückt: Welle V1 ist meist entweder 0,382; 0,618; 0,5 oder 0,236 des Gesamtgebietes von Beginn der Welle V1 bis Ende Welle 3.

Tipp

Fällt die Korrektur klein aus, dann ergibt die Projektion mit diesem Verfahren meist das richtige Ziel, d. h. die Ergebnisse sind wahrscheinlich richtiger als jene, die mit den anderen Verfahren der Projektion gewonnen worden sind.

Von der ersten Impulsbewegung auf die zweite Impulsbewegung
Hier schließt man, wie im ersten Verfahren, ausgehend von der gesamten ersten Trendbewegung mit Hilfe der Multiplikation von Fibonacci-Verhältnissen auf die Länge der zweiten Impulsbewegung. Man schließt also in der Terminologie von Elliot von Welle V1 auf Welle 3. Im Unterschied zum ersten Verfahren jedoch, wird die so gewonnene Strecke nicht vom Beginn der Bewegung aus abgetragen in Trendrichtung, sondern vom Ende der Welle 2, also vom Ende der ersten Korrektur.

Die Fibonacci-Multiplikatoren sind hier etwas anders als bei den anderen Verfahren, zumeist: 0,618; 1,0; 1,618; häufig auch 1,27. Seltener finden sich 0,382; 0,5; 2,618. Sogar 4,236 kann in einem starken Trend vorkommen.

Preisprojektion vom nichtretracten Teil auf die Gesamtbewegung
Man nimmt nur jene Strecke der Impulsbewegung, also von Welle 1, die nicht von Welle Version 2 retraced wurde. Daher muß man hier größere Fibonacci-Verhältnisse verwenden. Vor allem jene Preisziele sind wichtig, die sich auch aus anderen Projektionen ergeben.

Preis-Projektion aus mehreren Impuls-Wellen
Dieses Verfahren ähnelt dem Measured Move. Man nimmt also die Länge von vergangenen Impulswellen und setzt sie an das Ende von Korrekturen an und sucht nach Überschneidungen. Hier spielen besonders die Fibonacci-Verhältnisse von 1,236 und 1,764 eine Rolle, sowie die Vielfachen, besonders Version 2 und 3.

Preis-Projektion aus der letzten Korrektur-Bewegung
Hierbei wird die Größe der letzten Korrekturbewegung mit Fibonacci-Verhältnissen multipliziert. Dieser Betrag wird dann ebenfalls an das Ende des Retracements angesetzt, wie oben am bekannteren Verfahren. Da im Normalfall die Korrekturbewegung kleiner war als die vorangegangene Trendbewegung, benutzt man hier natürlich größere Fibonacci-Verhältnisse.

Üblich sind 1,618 und 2,618. Bei sehr starken Trends kann auch einmal das Ziel von 4,236 erreicht werden. Die Zahlen ergeben sich dadurch, daß man 1,618 zum Quadrat setzt, was 2,618 ergibt und nimmt man 1,618³, so erhält man 4,236. In der Terminologie der Elliot-Wellen wird hier also von Welle Version 2 auf Welle 3 geschlossen.

Bei Aktien funktioniert dieses Projektionsverfahren besonders gut, Hier findet man auch besonders häufig das Verhältnis von 1, 382. Besonders bei größeren Retracements ist es sinnvoll, es bei Aktien anzuwenden.

Pullback-Projektion

Diese Technik wurde von Erich Florek entwickelt. Sie wird angewendet, wenn ein Retracement aufgetreten ist, das nicht auf einem Fibonacci-Niveau stattgefunden hat. Am einfachsten funktioniert sie, wenn man ein professionelles Börsenprogramm hat, das es ermöglicht mit der Maus die Fibonacci-Zonen zu verschieben, wobei sie sich gleichzeitig an die geänderten Kurse anpassen, daher der Name „Pull“. Man kann es natürlich auch mit einem Dreisatz machen, was aber im Intraday aufwendig wäre. Das Verfahren wird eingesetzt, wenn eine Korrektur aufgetreten ist, die nicht auf einem Fibonacci-Niveau gehalten hat.

Das Konzept der Saat-Welle

Neue Wenden zeichnen sich früh dadurch aus, daß sie nach einem absoluten Tief oder Hoch ein neues Tief darüber bzw. ein neues Hoch darunter bilden. In einem solchen Fall kann man vom Beginn eines neuen Trends ausgehen. Als Saat-Welle, also als erste Welle auf der wir eine Fibonacci-Projektion vornehmen, bezeichnen wir dann die Bewegung vom tiefsten Tief bzw. höchsten Hoch zum höheren Tief (bzw. tieferen Hoch), das sich zwischen dem 8. und 13. Bar gebildet hat. Diese Vorgehensweise verhindert, daß wir zu kleine Wellen als Welle V1 ansehen. Häufig ist auch die erste Welle schon untergliedert in eine Korrekturbewegung.

Nehmen wir ein Beispiel: Adidas Aktie hätte ein neues Tief gebildet bei 218 (d. h. die vorangegangenen Tiefs lagen höher). Bildet sich jetzt nach dem fünften Bar ein höheres Tief, z.B. bei 219, so führen wir jetzt noch keine Fibonacci-Projektion durch. Wir warten auf ein Tief zwischen dem 8. und 13. Bar. Nehmen wir an, ein solches bildet sich im 9. Bar bei 220. Wir würden jetzt den höchsten Punkt zwischen diesem Tief und dem tiefsten Tief bei 218 suchen und die Bewegung vom tiefsten Tief als Welle V1 kennzeichnen. Nehmen wir an, dieser höchste Punkt läge bei 223, dann würde unsere Welle V1 also 5 Punkte betragen.

Fibonacci-Projektionen ausgehend von absoluten Werten

Dies ist ein relativ neues Verfahren. Es ist besonders interessant für Aktien. Daß dieses Verfahren funktioniert, zeigt, in welchem Maß die Kursbewegungen mathematisch von den Fibonacci-Verhältnissen dominiert werden. Man geht hier nämlich von absoluten Preisen aus (Ähnliches machte übrigens schon Gann, dieser benutzte zwar nicht die Fibonacci-Zahlen, sondern die Oktavierung, jedoch ähneln sich viele der Verhältnisse sehr stark, so daß das Funktionieren dieses Verfahrens nicht besonders überraschend ist).

Dividiert man eine Fibonacci-Zahl durch die vorhergehende, so erhält man die Wachstumskonstante 1,618. Diese findet sich nun auch in den Aktienkursen. Ich könnte z.B. ausgehend vom Ausgangstief bei Adidas Aktie von 210 diese Zahl mit 1,618 multiplizieren und erhielte ein Ziel von 339,78. Dies wäre das Wachstumspotential der Aktie, aber keine Prognose, daß dieses erreicht wird. Da so große Abstände außerhalb des Bereichs der Daytrader liegen, gehen wir so vor, daß wir 1,618 durch 10 dividieren.

Wir multiplizieren also 210 * 0,1618 und erhalten 33,98. Addiert man dieses Ergebnis zu 210, so erhält man als Ziel 243,98. Diesen Move von 210 nach 243,98 betrachten wir als eine Wachstumseinheit. Wir erhalten also so ein zusätzliches Preisziel. Ich kann jetzt diese Strecke nach den Fibonacci-Verhältnissen teilen, also 0,38; 0,50 und 0,62. Auch 1,0 und 1,62 bilden zusätzliche Preisziele. Dieses kann man jetzt weiterführen.

Besonders die wichtigen Fibonacci-Punkte, wie 0,382 oder 0,618 kann man wiederum als eine Einheit ansehen und selbst wiederum 0,382 und 0,618 unterteilen. Man kann auch andere Fibonacci-Verhältnisse benutzen, z.B. 0,382 im obigen Beispiel würden wir dann 210 multiplizieren mit 0,0382 und erhalten 8, 02. Eine weitere Teilung wäre hier wenig sinnvoll, wir addieren diese Zahl zu 210 und erhalten als Preisziel 218,02.

Anpassung an das Daytraden

Bei Verwendung von 1,618 würden wir im obigen Beispiel 210 * 0,618 rechnen, was 33,98 ergibt. Diesen Wert teilen wir jetzt für die Verhältnisse des Daytradens durch 10 und erhalten abgerundet 3,4. Diese Zahl kann man auch dazu benutzen, um einen Trendbestätigungspunkt zu finden. Wir addieren diesen Wert zum Tiefstpunkt von 210 und erhalten 213,40 und ziehen diesen Betrag auch ab von 210, was 206,6 ergibt. Ein Aufwärts-oder Abwärtstrend wäre bestätigt, wenn diese Werte überschritten wären.