Gann-Quadrate beim Trading


Das Quadrat der Neun ist nur eines von vielen anderen mathematischen Schemata, die Gann benutzte, wenngleich das bekannteste. Alle diese Verfahren hat er nicht selbst entwickelt, sondern aus anderen Bereichen übernommen, z.B. aus der Harmonielehre. Er prüfte jeweils, ob, und wenn ja, bei welchen Märkten, sie sich bewähren. Dies muß man auch heute tun, wenn man versuchen will, diese Verfahren auf moderne Märkte zu übertragen. Die Konstruktion dieser einzelnen Quadrate ist zwar unterschiedlich (ausführlich wird sie für das Quadrat der Neun beschrieben), es geht jedoch grundsätzlich immer um dasselbe, nämlich um das Auffinden von harmonischen Beziehungen innerhalb der Märkte und zwar von harmonischen Beziehungen innerhalb des Preises als auch innerhalb der Zeit, sowie zwischen Preis und Zeit. Daher können verschiedene Quadrate bei einem bestimmten Markt funktionieren, sowie zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Quadrate oder ein Quadrat bei einem bestimmten Markt und bei einem anderen nicht, usw.

Der Begriff Quadrat ist dabei in Anführungsstriche zu setzen. Zwar sind die meisten dieser mathematischen Schemata bei Gann in quadratischer Form angeordnet, er benutzte aber auch andere Formen, wie Kreis, Achteck, usw. Die Bezeichnung Quadrat benutzte er deshalb, weil er unter Quadratur verstand die Kombination von Preis und Zeit in harmonischen Beziehungen. Überdies lassen sich auch jene Schemata, die bei Gann eine quadratische Form haben, z.B. das Quadrat der Neun, in anderen Formen darstellen, z.B. in einem Kreis. Entscheidend ist immer die spiralförmige Anordnung, nicht die quadratische Form. Gann war der Ansicht, daß sowohl Zeit als auch Preise sich spiralförmig entwickeln und versuchte mit Hilfe der Quadrate diese spiralförmigen Zyklen aufzudecken. Die meisten dieser Verfahren sind nicht neu, sondern wurden anderen Bereichen übernommen, wie der Harmonielehre. Die Zuordnung der Zeit zu den Preisen geschieht meist über einen umliegenden Kreis. Eine andere Variante stammt von Jeanne Long und wird an anderer Stelle erläutert.

Beim praktischen Gebrauch eines der Quadrate muß man prüfen, in welche Richtung es beim jeweiligen Markt besser funktioniert, ob besser bei Kassa-oder Future-Markt, usw. Außerdem ist auf den Verbund zwischen den einzelnen Märkten zu achten, z.B. zwischen den Getreiden oder gewissen Devisen im Verhältnis zum Dollar, usw. Das Arbeiten mit dem Quadrat der Neun und den anderen Quadraten erfordert eine längere Einarbeitungszeit und ist gewöhnungsbedürftig. Gann hielt sie aber für seine wichtigste Entdeckung. Viele Begriffe, die bei ihm vorkommen, sind ohne die Kenntnis der Quadrate nicht zu erklären. So gebrauchte er den Begriff Zyklus sehr häufig: Er ist aber bei ihm nicht zu verstehen im Sinne der heutigen Zyklischen Analyse, sondern er verwendet den Begriff Zyklus in drei Unterbedeutungen:

  • Zyklus bedeutet bei ihm die Umrundung eines Quadrates durch den Preis, dann hat sich ein vollendet. Dies ist die wichtigste Bedeutung bei Gann für diesen Begriff, daneben verwendet er ihn noch in zwei anderen Bedeutungen.
  • Zyklus kann gelegentlich bei Gann auch sein die Vollendung eines Planetenlaufes.
  • Manchmal spricht er auch von einem Zyklus, wenn Preis und Zeit sich treffen in einer mathematischen Dimension, also der Preis eine Zeitzählungspunkt erreicht nach Gann oder einen Gann-Angle.

Traden mit den Quadraten

Mit Hilfe der Quadrate läßt sich eine Vielzahl von Wendepunkten festlegen, ohne daß man zunächst sagen kann, welche relevant sein werden. Gann verwies hier vor allem auf drei Methoden, dies herauszufinden:

  • Überschneidungen mit den Messungen ausgehend von anderen Bewegungen. Jeweils drei Überschneidungen machen einen Wendepunkt fast sicher, sofern sie aus dem gleichen Verfahren kommen, also aus dem gleichen Quadrat.
  • Überschneidungen mit Messungen anderer Gann-Verfahren, z.B. wenn dort eine Gann-Linie liegt oder ein Gann-Angle, usw.
  • Überschneidungen mit der Zeitanalyse. Wenn also z.B. an einem vorbestimmten Wendetag die Preise einen bestimmten Wert erreichen, der auf einem der Quadrate ein Wendesignal gibt.

Man kann natürlich auch aus heutiger Perspektive andere Verfahren anwenden, z.B. kann man die Quadrate kombinieren mit Fibonacci-Niveaus, Murrey-oder Planetenlinien.

Die Bedeutung der verschiedenen Winkelzahlen

Keineswegs alle Gann-Zahlen und -Verhältnisse, die man nutzen kann, haben die gleiche Bedeutung, z.B. sind die Wendepunkte, die man mit 135° findet, meist relativ klein, weisen also auf Konsolidierungen hin. Betrachtet man die Finanzmärkte insgesamt, dann sind vor allem die folgenden Grad-Zahlen beim Quadrat der Neun wichtig, auch bei anderen Quadraten: 45, 90, 120, 180, 240, 270, 315, 360. Was Aktien angeht, so finden die größeren Wendepunkte normalerweise bei 45, 90, 180, 270, 360° statt; bei Bonds sind die betreffenden Werte: 90, 120, 180, 240, 360. Für die Spotpreise der Devisen gilt: 90, 120, 144, 216, 270, 360.

Beispiel für die Erstellung eines Gann-Quadrates

Nehmen wir als Beispiel die wichtige Quadratzahl von 144. Ich würde jetzt auf der Zeitachse, also auf der x-Achse, 144 Bars in die Zukunft abtragen, ausgehend von einem Wendepunkt. Man nimmt hier am besten nicht das jeweilige Extrem, sondern den tiefsten oder höchsten Schlußkurs. Auf Tages-Charts rechnet man 5 Bars pro Woche, zählt also Feiertage, die in die Woche fallen, mit, aber nicht die Wochenenden. Man unterteilt die Strecke in vier Unterstrecken a 36 Bars, indem man Linien nach oben zieht.

Jetzt trägt man auf der y-Achse ebenfalls 144 Einheiten ab, also auf der Preis-Achse, wobei man allerdings in der Regel einen Konversionsfaktor benötigt, den man empirisch festlegen muß, je nach Aktie oder Markt. Bei Aktien haben sich z.B. 0,25 Cents bewährt, bei Roh-Öl 5 Cents, usw. Nehmen wir an, Roh-Öl macht bei 48$ einen Boden. Ich rechne jetzt 144*5 Cents = 7,20$ und addiere dies zum Boden von 48$. Ich erhalte somit als wichtiges oberes Preisziel 55,20$. Dies ist die obere Begrenzung unseres Gann-Quadrates. Diesen Preisraum unterteile ich jetzt in vier Räume, indem ich ein Viertel von 7,20 also 1,80 jeweils addiere, ich erhalte so als weitere Unterziele 49, 80; 51,60; 53,40. Diese Preisziele werden wieder durch waagerechte Linien gekennzeichnet, die die jeweils vier Schnittpunkte bilden mit den senkrechten Zeitlinien nach jeweils 36 Handelstagen.

Ich unterteile den so gewonnen Preisraum ebenfalls in vier Einheiten, wobei ich waagerechte Linien ziehe. Auf diese Weise erhalte ich ein Rechteck, Gann würde sagen, ein Quadrat, da Preis und Zeit in einem mathematischen Zusammenhang stehen, was er als Quadratierung bezeichnet mit insgesamt 16 einzelnen Unterkästchen. Ich arbeite erst dann mit diesem Quadrat, wenn ich festgestellt habe, daß ich einen strukturell wichtigen Wendepunkt für den Start erwischt habe des Gann-Quadrats. Dies ist der Fall, wenn nach Ende der ersten vier Kästchen, also dem Erreichen der 36-Bar-Marke, tatsächlich ein Wendepunkt eintritt, der bedeutend ist.

Ist die Gann-Box auf diese Weise validiert, kann man die waagerechten Preislinien als Widerstands-und Unterstützungszonen betrachten und die senkrechten Zeitlinien als Signale für Wendepunkte. Dieses Verfahren kann ich natürlich von anderen Hochs oder Tiefs wiederholen, so daß ich keinesfalls alle 36 Bars abwarten muß, sondern häufiger Signale erhalte. Befinden sich bei einem Zeitsignal die Kurse an einer Widerstandslinie, also an einer Preislinie, prüfe ich zusätzlich die Indikatoren, um zu sehen, ob ein Ausbruch wahrscheinlich ist und in welche Richtung er gehen wird, denn es kann nämlich auch sein, daß eine Trendbeschleunigung einsetzt statt einer Trendwende.

Astrologische Benutzung der Quadrate

Man kann die meisten Quadrate von Gann, besonders das Quadrat der Neun und das Hexagon, auch auf astrologische Weise nutzen. Verschiedene Verfahren werden bei der Universal Clock gezeigt. Im folgenden werden die beiden grundlegenden Verfahren dargestellt. Man kann so vorgehen, daß man die Stellung des Planeten in einen Preis umwandelt, diesen an dem jeweiligen Quadrat feststellt und als Nullpunkt nimmt und von dort aus die bestimmten Aspekte abträgt und so auf neue Preise kommt. Man kann so vorgehen, daß man die Stellung des Planeten auf dem Horoskopkreis lokalisiert, den man um das jeweilige Quadrat legen kann, vgl. hierzu die Ausführungen beim Quadrat der Neun. Der Nullpunkt liegt dann immer rechts, also bei 3 Uhr, wenn man den Horoskopkreis als Zifferblatt auffassen würde. Man nimmt dann die Stellung des Planeten auf dem Horoskopkreis als Nullpunkt und setzt von hier die Aspekte an.

Man kann im Prinzip alle Aspekte benutzen, in der Regel wird es so sein, daß bei bestimmten Märkten sich bestimmte bewähren. Stehen mundan gesehen zwei Planeten miteinander im Aspekt, wird immer der äußere benutzt. Ist JU daran beteiligt, benutzt man immer diesen. Man erhält auf diese Weise bei den Quadraten verschiedene Preise und benutzt jeweils die, die dem aktuellen Preis am nächsten liegen. Auf ihnen darf man die nächsten Höchst-und Tiefstpreise erwarten. Man sollte hierbei auch die verschiedenen Future-Kontrakte mit ihren unterschiedlichen Laufzeiten betrachten, sowie Kassa-und Future-Preise. Bei den meisten Märkten funktioniert das Verfahren, das vom Horoskopkreis ausgeht, besser. Es funktioniert auch besser bei volatilen Märkten. Allerdings kann man mit seiner Hilfe nicht alle Wendepunkte finden, wohl aber Beginn und Ende von Korrekturen.

Das 24er-Quadrat

Das Quadrat der 24 wird von Gann in runder Form dargestellt als Preis-und Zeitrad. Er benutzt es für Getreide, Wolle und Aktien, es scheint aber auch für die meisten anderen Märkte zu funktionieren, auch für Devisen. Der Grund liegt vermutlich darin, daß die Zahl 24 etwas mit der Umdrehung der Erde zu tun hat, also mit den Horoskopachsen. Die Erde dreht sich am Tag um 360°, also 1° in vier Minuten und 15° in einer Stunde. Letzteres 24mal. Es ergeben sich so aus der Umdrehung der Erde vier Zahlen: 4, 15, 24, 360. Diese natürlichen Zyklen lassen sich auch gut beim Daytraden benutzen, z.B. wird man auf 4-Minuten-Charts deutlich mehr sehen als auf 5-Minuten-Charts, auch wird man im Intradaybereich immer wieder Zyklen mit diesen Zahlen oder deren Mehrfachen sehen. Diese Zyklen sind dann unabhängig vom Quadrat der 24.

Schlüsselzahlen und Quadrat der 24

Aus der Umdrehung der Erde ergeben sich zunächst die oben erwähnten Schlüsselzahlen von 4, 15, 24 und 360. Benutzt man zusätzlich das Quadrat der 24, so erhält man aus den Bewegungen der Planeten auf diesem Quadrat und der Preise dort weitere Schlüsselzahlen, z.B. über das Preisangleichungssystem. Die Preise haben die Tendenz in bestimmten Abständen zueinander bei gleichen Aspekten sich zu befinden, z.B. ist bei Rohstoffen, bei Preisen zwischen 4, 50 und 7$, 24 bzw. 0, 24 die Schlüsselzahl. Bei Preisen zwischen 2, 50 und 4, 50 wäre dies 0, 12 usw. bzw. die jeweiligen Dezimalen. Bei Preisen zwischen 50 und 250 wären dies 6. Bei Devisen sind 6 Cents ebenfalls eine Schlüsselzahl. Nach einem Trend von 5-6 Cents entsteht normaleweise die Tendenz zur Stagnation bzw. zur Wende. Beim S&P sind dies 12 Punkte, beim Dow 240, usw.