Handelsstrategien mit Bollinger Bändern

Vier Handelsstrategien mit Bollinger-Bändern

Streng genommen gibt es noch eine fünfte Standard-Trading-Situation, nämlich das Traden der Erweiterungen mit Optionen. Dieses wird in einem anderen Artikel beschrieben. Die hier dargestellten Strategien benötigen einige Anpassungen, wenn man sie beim Daytrading anwenden will. Dies betrifft besonders die verwendeten Indikatoren. Besonders die Volumen-Indikatoren sind beim Daytrading meist wenig hilfreich aufgrund der ungleichen Verteilung. In den meisten Märkten nämlich wird der Großteil des Umsatzes am Anfang und am Ende gemacht, daher sollte man andere Indikatoren benutzen.

An sich eignen sich die Verfahren sehr gut für das Daytrading, besonders wenn man darauf achtet, daß bei den Bollinger-Bändern keine Fehler auftreten aufgrund der Kurssprünge von einem Tag zum anderen, denn auch, wenn die Börse geschlossen ist, verändern sich die Kurse. Die Strategien sind als Grundstrategien gedacht, sie können verändert werden und an den eigenen Trading-Stil angepasst. Liebt jemand z.B. Breakout-Systeme, so kann er in den Phasen, wo die Strategie I angewendet werden soll, dieses Systeme im kleineren Zeitrahmen anwenden. Kriechen die Kurse also z.B. auf Tages-Charts die Bänder entlang, tradet man auf Stundencharts oder im noch kürzeren Zeitraum, Breaksysteme in Trendrichtung, usw.

Trading entlang der Bänder

Die Mehrzahl der Trader glaubt fälschlicherweise, daß man beim Erreichen der unteren Bollinger-Bänder long gehen sollte und beim Erreichen der oberen short. Diese Strategie Nr. 3 kann nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen angewendet werden. In den meisten Fällen jedoch ist die Berührung eines Bandes ein Zeichen für die Stärke des Trends, der weitergehen wird. Dies ist vor allem dann meist der Fall, wenn beide Bollinger-Bänder auch in die Richtung des Trends gehen. In solchen Fällen wendet man die hier dargestellte Strategie Nr. 1 an, man tradet also entlang des Bandes.

Natürlich, irgendwann werden die Kurse, die z.B. an einem oberen Band langsam nach oben kriechen, eine Wendeformation ausbilden, aber das muß man eben abwarten. An sich sind sie selbst keine Umkehrsignale. Die Fortsetzung des Trends sollte von unabhängigen Indikatoren bestätigt werden. Bollinger selbst verwendet Volumen-Indikatoren und zwar die offene Form, besonders die Intraday-Intensity und die Accumulation/Distribution-Linie.

Mit offener Form ist gemeint, daß die Indikatoren nicht in einen Oszillator umgewandelt werden, sondern akkumuliert, sie also Werte von vielen Tausend annehmen können und nicht z.B. zwischen 0 und 100 schwanken. In diesen Indikatoren ergeben sich dann sehr schöne Trends und solange der Trend in Ordnung ist und die Bollinger-Bänder die jeweilige Trendlinie berühren und an ihr entlang kriechen, bleibt man in Trendrichtung. Ein Beispiel ist die Intraday-Intensity, die zu sehr schönen Trendlinien neigt. Man kann allerdings auch Momentum-Indikatoren benutzen oder moderne Indikatoren, in jedem Fall müssen sie unabhängig sein von den Informationen, die in die Bänder eingehen. Natürlich sind auch Trendindikatoren geeignet, wie der ADX. Die Momentum-Indikatoren müssen dann natürlich einen sehr langen Zeitrahmen haben, entsprechend der erwarteten Länge der Bewegung. Die Indikator-Werte müssen beim Berühren des Bandes stark sein. Dies bedeutet, daß sie gerade den Extrembereich erreicht haben sollten und dort noch nicht sehr lange gewesen sein dürfen und natürlich noch nicht nach unten gedreht haben sollen.

Die Frage ist natürlich, wie und wann man in den Trade einsteigt. Bei einem starken Trend ist es nämlich meist so, daß ein Rückschlag auf das andere Bollinger-Band eher schon ein Zeichen von Schwäche ist und wenn man solange warten würde, käme man zu spät. Häufiger kommt schon ein Rückschlag auf die Mittellinie vor, man wendet dann andere Indikatoren an kurzfristiger Art für den konkreten Einstieg. Kann man es sich leisten mit größeren Stop-Losses zu arbeiten, ist natürlich auch ein Einstieg während des Kriechens möglich. Eine dritte Möglichkeit ist es, auf einen kleineren Rückschlag zu warten, wie er häufiger vorkommt und dann in den Markt zu gehen, wenn das jeweilige Hoch herausgenommen wird in Trendrichtung, also nach oben, oder das Tief in Trendrichtung nach unten.

Wie gesagt, gilt dieses Trading-Verfahren nur dann, wenn beide Bollinger-Bänder ebenfalls in Trendrichtung gehen. Bei dem häufigen Auseinanderlaufen der Bollinger-Bänder, wo das eine z.B. nach oben, das andere nach unten geht, handelt es sich zwar meist um noch keine Wende, immer aber um den Beginn einer etwas ausgeprägteren Korrektur. Geht dann der Trend weiter, so erhält man gute Einstiegsmöglichkeiten, da hier in der Regel die Kurse ein- oder zweimal das andere Bollinger-Band erreichen. Für den Erfolg dieser Strategie ist es wichtig, daß der gewählte Zeitrahmen der Bollinger-Bänder gut abgestimmt ist auf den jeweiligen Markt bzw. die jeweilige Aktie. Nur wenn das gegeben ist, bildet der mittlere GD häufig bei Korrekturen eine wichtige Unterstützungslinie. Tut das der GD, so ist dies eine Möglichkeit, günstig in den Trend einzusteigen mit einem sehr engen Stop, da man schnell weiß, wann man falsch liegt.

Man kann die Strategie variieren, indem man erst einen Rückschlag auf das andere Bollinger-Band abwartet, um dann einzusteigen. Ob dies sinnvoll ist, hängt vom Markt ab bzw. von der Natur der Aktie, die man handeln will. Denn gerade in starken Trends entwickelt sich häufig kein Rückschlag oder schon relativ spät im Trend. Immerhin hat diese Methode den Vorteil, daß man viel seltener ausgestoppt wird, die Zahl der Gewinntrades erhöht sich also stark. Besonders bei Aktien läßt sich auch noch eine fundamentale Selektion hiermit verbinden, man kauft nur Aktien, die fundamental und hinsichtlich ihrer Relativen Stärke gute Werte haben und shortet nur jene Aktien, die hier ausgesprochen schwach sind.

Ausbrüche aus Engpässen

Je niedriger die Volatilität ist, desto enger werden die Bänder. Dies führt sehr bald schon zu einem starken Trend, da die Volatilität prognostizierbar ist und sich zyklisch verhält. Jeder Markt und jede Aktie zeigt dabei aber andere typische Merkmale. Diese sollte man anhand historischer Kurse genau studieren. Für manche Märkte ist es typisch, daß so häufig zuerst ein falscher Ausbruch kommt, sehr kurz bevor der eigentliche Trend einsetzt, daß es sich lohnt, diesen erst abzuwarten. Mit einem Ausdruck aus dem Eishockey „Head Fake“ bezeichnet man diese typische Eigenschaft mancher Märkte, die auch immer mehr zunimmt, da gerade dieses Traden aus Volatilitätsausbrüchen zunehmend an Popularität gewinnt.

Um festzustellen, ob ein Ausbruch korrekt ist, muß man verschiedene Indikatoren betrachten. Nicht nur die üblichen mit denen man arbeitet, sondern auch Faktoren, wie die Lage der Eröffnungs- und Schlußkurse, ob die Bars an Trendtagen größer werden, usw. Dies gilt analog auch für kürzere Zeiträume, wie 5-Minuten-Bars. Sehr wichtig sind hier die Neuigkeiten, da diese meist den Katalysator für den Ausbruch aus einem engen Bollinger-Kanal darstellen. Das Gegenteil der Verengung der Bänder ist die Erweiterung. Diese ist einerseits ein Signal, Gewinne mitzunehmen, andererseits ein Signal, Optionen zu schreiben.

Das Geschäft ist umso aussichtsreicher, je enger die Bollinger-Bänder sind. Allerdings muß man die Veränderung relativ bestimmen zur vorhergehenden Breite. Dies ermöglicht auch ein besseres Gewinn/Verlustverhältnis, da man die Stop Losses normalerweise auf das andere Band legt, also wenn man kauft, würde man bei einer Berührung des unteren Bandes den Markt verlassen, wenn man verkauft, bei einer Berührung des oberen Bandes. Besonders bei Daytradern ist es beliebt, die Parameter für die Bollinger-Bänder zu verändern, so daß sie näher beieinander liegen (z.B. auf 15 Perioden und 1,5 Standardabweichungen), dies erhöht allerdings die Fehlsignale. Es hat dann aber den Vorteil, daß man früher in den Trend kommt. Vorsichtige Menschen können allerdings auch anders verfahren, sie versuchen nicht sofort den Ausbruch zu traden, sondern warten ihn ab und wenn er durch die Erweiterung bestätigt wurde, steigt man bei der ersten Korrektur ein oder wenn ein neues Hoch oder Tief in Trendrichtung gemacht wird.

Bollinger empfiehlt, Volumen-Indikatoren zu beachten für die Ausbruchsrichtung, besonders die Intraday-Intensity, Akkumulation/Distribution, sowie den Money-Flow-Index. Die Ausbruchsrichtung läßt sich häufig prognostizieren über die Relative Stärke. Die Volatilitäts-Breakouts sind besonders auch für den Aktienhandel geeignet. Denn hier findet man täglich ein paar vielversprechende Kandidaten.

Swing-Trading innerhalb der Bänder

Die meisten Trader kennen gar keine andere Verwendung der Bollinger-Bänder als die, gegen den Trend zu gehen. Grundsätzlich ist diese Strategie für sich genommen jedoch ein Fehler. Erfolgreich ist das Swing-Trading, also die Einnahme von Positionen gegen den Trend, nur wenn die Bollinger-Bänder waagerecht laufen. Sie müssen außerdem parallel laufen, d. h. die Breite des Kanals darf nicht größer werden, weil das eben das erste Anzeichen ist für einen beginnenden Trend. Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann ist das Swing-Trading äußerst erfolgreich, da es sowohl eine hohe Trefferquote hat als auch ein sehr gutes Gewinn/Verlustverhältnis, denn man kann mit relativ hohen Stops arbeiten.

Die Bänder sollten allerdings nicht zu eng sein, dann sollte man lieber auf die Strategie 1 vertrauen und den Ausbruch aus einem Engpaß traden. Außerdem muß man bei jeder Berührung der Bollinger-Bänder auf die Signale der Indikatoren achten, d. h. wird das obere Band berührt, sollten die Indikatoren Verkaufssignale geben, wird das untere berührt, sollten sie Kaufsignale geben. Dies bedeutet, daß sie bereits beginnen, die jeweilige Extremzone zu verlassen. Auch große Abstände zwischen der Indikatorlinie und der Signallinie (Trigger-Linie)sind bei vielen Indikatoren ein gutes Zeichen. Man kann die meisten Indikatoren verwenden, da sie sich mit den Bollinger-Bändern nicht überschneiden, denn die Bollinger-Bänder sind in erster Linie ein Maß für die Volatilität.

Wichtig ist, daß keine großen News in absehbarer Zeit hereinkommen, also z.B. Veröffentlichungen der Notenbanken, u. ä., weil diese meist als Katalysatoren für Breaks dienen. Wichtig ist auch, daß man die richtige Mentalität entwickelt, die Gewinne, die hier erzielt werden können, sind zwar relativ klein, aber sie addieren sich und haben ein überragendes Verlust/Gewinnverhältnis.

Das Traden von Mustern mit Bollinger-Bändern

Eine ganze Reihe von Formationen lassen sich anhand der Bollinger-Bänder besser erkennen, besonders die Doppelformationen und die Dreifachformationen. In jedem Fall wird aber das Traden erleichtert. Die Bollinger-Bänder bringen nämlich ein relatives Kriterium hinein und meist ist es so, daß der erste Teil der Formation außerhalb der Bänder sich bildet, während die folgenden Teile innerhalb der Bänder geschehen. Dies ist ein zusätzliches Bestätigungsmerkmal. Ein weiteres Merkmal auf das zu achten ist, ist die starke Erweiterung der Bänder. Sie tritt allerdings häufig erst zu spät auf und bestätigt dann den sich neu bildenden Trend. Allgemein braucht man für das Mustertraden eine sehr gute Kenntnis des Verhaltens der Bollinger-Bänder.

Von zentraler Bedeutung sind die Divergenzen. Sie sollten sich in jedem Fall bei den benutzten Indikatoren bilden gegenüber dem Kurs. Bei einer Topformation also eine bearishe Divergenz, bei einer Bodenformation eine bullishe. Geeignet sind Momentum-Indikatoren, Trendfolger, Volumen- Indikatoren. Günstig ist es auch, die Breite der Bänder als Indikator darzustellen (%B). Es ist sehr günstig, wenn man erst einsteigt, wenn die Breite sich schon etwas erhöht hat. Natürlich kann man auch Wendesignale der modernen Indikatoren gut verwenden zusammen mit Bollinger und Mustererkennung.

Der konkrete Markteintritt sollte dann auf der ersten Periode geschehen (also Tag bzw. beim Daytraden Bar), der eine deutliche Stärke in die neue Richtung zeigt, also eine große Kursspanne, nach Möglichkeit auch ein überdurchschnittliches Volumen. Im wesentlichen werden also dieselben Strategien angewendet, wie beim Swing-Trading, nur daß hier aufgrund der Mustererkennung es möglich ist, so auch zu traden, ohne daß die Bänder waagerecht gehen müssen. Außer den oben erwähnten Mustern kommen auch Fibonacci-Retracements bzw. Fibonacci-Extensionen in Betracht oder das Gartley-Einstiegssignal.