Interpretionsregeln für Histogramme

Bei vielen Indikatoren, wie etwa dem MACD, ist die Darstellung als Histogramm üblich (darunter versteht man die Zuordnung der Indikatorwerte in Säulenform zu dem jeweiligen Bar), jedoch nutzen die meisten Trader die Möglichkeiten des Histogramms nicht genügend aus. Im allgemeinen wird nur das Crossover über die Mittellinie beachtet und die allgemeine Richtung des Histogramms. Die folgenden sechs Eintrittsregeln stammen von Bill Wilder, er bezog sie auf den Awesome Oszillator, jedoch sind sie auch für viele anderen Indikatoren nützlich, die sich als Histogramme darstellen lassen. Es ist allerdings sinnvoll, dies nicht als einzige Eintrittssignale zu nehmen, sondern als als Teil eines Trading-Systems zu verwenden, also mit anderen Indiaktoren zu kombinieren. Bill Williams selbst verwendet sie als Teil seines Alligator-Trading-Systems.

Drei Grundsignale für Histogramme

Suppenschüssel (Saucer)
„A“ muß größer sein als „B“ und ebenfalls „C“. Alle drei Säulen müssen oberhalb der Mittellinie liegen für einen Eintritt auf der Long-Seite. Man benötigt mindestens drei Säulen im Histogramm des Indikators für ein Saucer-Signal. Es können natürlich mehr sein, wie im Beispiel dargestellt, es können also mehrere Säulen zwischen „A“ und „B“ liegen. In allen Fällen ist die Säule „C“ die Signalsäule, der konkrete Markteintritt geschieht, wenn die Kurse den der Säule „C“ zugeordneten Bar im Kurs-Chart nach oben überschreiten. Dies kann durchaus erst einige Bars später geschehen. Häufig ist beim Auftreten eines Signal-Bars gerade der Beginn einer Korrektur im Gang. Die Regeln gelten analog für den Eintritt auf der Short-Seite. Hier muß eben der zugeordnete Bar der Säule „C“ nach unten überschritten werden für einen Markteintritt. Alle Säulen müssen unterhalb der Mittellinie liegen.

Twin Peaks
Es ist zu beachten, daß hier die Lage der Säulen genau umgekehrt ist, wie beim Suppenschüssel-Eintritt. Für ein Long-Geschäft, also für das Kaufen des Marktes, müssen alle Säulen unterhalb der Mittellinie liegen und für ein Short-Geschäft oberhalb. Twin Peaks, also zwei Säulen, bezieht sich hier auf die Säulen „A“ und „B“. Sie sind beide Fraktale (Spikes). Da erst mit Bar „C“ klar wird, daß „B“ ein Spike ist, ist wiederum die Säule „C“ die Signalsäule. Der Markteintritt geschieht, wenn der zugeordnete Kurs-Bar in die richtige Richtung von den Kursen überschritten wird.

Crossover
Hier benötigt man nur zwei Bars, einen unterhalb der Mittellinie und einen oberhalb, daher ist der Signal-Bar immer der Bar „B“. Die sonstigen Regeln gelten analog, man geht wiederum in den Markt, wenn in der richtigen Richtung die Kurse den Kurs-Bar überschreiten, der der Signal-Säule „B“ zugeordnet ist.

Drei Signale für abgeleitete Indikatoren

Diese Signale sind von Bill Williams für die Beschleunigung gedacht, die Beschleunigung ist die erste Ableitung des Momentums, also das Momentum des Momentums. Man kann sie analog zu den vorigen auch für andere abgeleitete Indikatoren verwenden, sofern diese eben die Beschleunigung messen, also sich auf einen anderen Indikator beziehen. Es ist zu beachten, daß die Null-Linie in einem Momentum-Indikator und bei den meisten Oszillatoren, den Platz kennzeichnet, wo Momentum und Beschleunigung gleich sind. Immer dann, wenn die Beschleunigung steigt, wird das Momentum bzw. der Indikator, steiler.

Beschleunigungs-Eintritt für Longs

In beiden Fällen kauft man den Markt, also geht long. Befinden sich die Kurse oberhalb der Mittellinie reichen zwei Signalbars, also höhere Bars aus, daher ist hier „C“ der Signalbar. Man geht long, wenn der zugehörige Kursbar nach oben herausgenommen wird. Befindet sich, wie in der zweiten Abbildung, der Indikator unterhalb der Mittellinie, bedarf es dreier Signalbars, also drei höherer Balken im Histogramm des Indikator. Daher ist hier der Balken „D“ der Signal-Balken, man geht long, wenn der zugehörige Bar des Kurses nach oben durchstoßen wird. In beiden Fällen ist zu beachten, daß Balken „B“ immer eine Richtungsänderung beinhaltet, d. h. er führt dazu, daß auf Balken „A“ eine Wende eintritt.

Beschleunigungs-Eintritt für Shorts

Wir haben hier das Analoge, wie bei den Long-Geschäften. Hier sind die Zahlenverhältnisse allerdings vertauscht, oberhalb der Mittellinie bedarf es dreier Signal-Balken, um einen Short-Eintritt zu signalisieren, unterhalb der Mittellinie reichen zwei. Der Grund ist in beiden Fällen, daß es leichter ist mit dem Trand als gegen den Trend zu gehen. Liegt die Beschleunigung also im positiven Bereich, bedarf es weniger Signale für eine Long-Geschäft, aber mehr Signale für ein Short-Geschäft. Umgekehrt ist es, wenn der Indikator unterhalb der Mittellinie liegt. Der Eintritt geschieht nach den gleichen Regeln, wie immer. Man geht also in den Markt, wenn der zugehörige Bar im Kurs nach unten herausgenommen wird, im ersten Fall der zu „D“ gehörende Bar, im zweiten der zu „C“.

Crossover

Das Überqueren der Mittellinie ist bei der Beschleunigung kein Signal, anders als beim oben dargestellten Momentum-Histogramm. Dies ist wichtig zu beachten. Allerdings wird es insofern berücksichtig, als es die Zahl der benötigten Signalbars um einen verringert. Wir benutzen also den normalen, oben dargestellten Beschleunigungseintritt. Findet aber ein Crossover statt, so reichen jeweils zwei Signal-Bars. Der Markteintritt geschieht immer, wenn der Bar, der zur Signalsäule „C“ gehört, in die gewünschte Richtung durchstoßen wird. Natürlich muß durch die Größe von „B“ der Balken „A“ ein Spike bzw. ein Fraktal sein, es muß also mit „B“ ein Richtungswechsel eingetreten sein. Wäre der Vor-Balken zu „A“ im ersten Fall größer, also tiefer, im zweiten Fall höher als „A“, würde schon zuvor ein Eintritt signalisiert werden. Das Crossover hätte dann keine Bedeutung.