Japanische Candlesticks und Lücken


Lücken heißen zwar Gaps auf englisch, eigentlich spricht man aber von Windows (Fenster), was die wörtliche Übersetzung des japanischen Wortes für Lücken in Candlestick-Charts ist. In Japan wird den Lücken eine grundlegende Bedeutung zugemessen bei der Chart-Analyse, z.B. erwartet man, daß Korrekturen normalerweise bis zur letzten Lücke davor gehen. Allgemein benutzt man die Lücken zur Grundorientierung in den Charts. Die Regeln sind dieselben wie bei den Lücken im westlichen Traden. Widersprechen sich Lückenregeln und Kerzensignale, dann setzt sich meist die Lücke durch. Beispiel: Bildet sich nach einer Breakaway-Lücke (in Japan rennendes Fenster genannt), also eine Lücke, die sofort nach einem Break auftritt in Trendrichtung, ein Wendesignal, dann wird dieses Wendeisignal vermutlich falsch sein oder höchstens nur ein kurzes Zögern der Kurse einleiten. Das Break wird also halten.

Bestätigung der Wende

Grundsätzlich ist eine Trendwende erst dann bestätigt, wenn alle offenen Fenster, die zuvor entstanden sind, geschlossen wurden.

Dreier-Regel bei Fenstern

Sie besagt, daß ein Fenster geschlossen wird nach drei Minuten, ist dies nicht der Fall nach drei Stunden, ist es dann noch offen, nach drei Tagen. Ist es nach drei Tagen noch nicht geschlossen, wird der Trend weitergehen und dann mindestens dreizehn Tage. Ein anderer Aspekt der Dreierregel gilt in den modernen Märkten nicht mehr, sie besagt, daß der Trend nach drei Fenstern zu Ende geht, allerdings kommt es auch heute noch in der Regel danach zu einer Konsolidierung.

Zwei-Kerzen-Regel

Sie besagt, daß eine Lücke nicht geschlossen wird, jedenfalls nicht in nächster Zeit, wenn nach ihr zwei Kerzen in der Farbe der Trendrichtung auftreten. Eine dieser Kerzen kann auch durch einen Doji ersetzt werden, allerdings muß dann die erste Kerze der Doji sein, nicht die zweite.

Sich widersprechende Kerzensignale

Widersprechen sich ein Kerzensignal und ein Fenster, so setzt sich meist das Fenster durch. Nehmen wir als Beispiel, daß nach einem steigenden Fenster sich ein Abendstern bildet. Meist werden die Kurse trotz des Abendsterns weitersteigen.

Lücken und Candlestick-Formationen

Grundsätzlich gewinnt jede Candlestick-Formation an Bedeutung, wenn sie mit einer Lücke bestätigt wird. Nehmen wir als Beispiel die 3-Candlestick-Formation „Drei neue Hochs“. Sie wurde bei den Dreier-Formationen nicht aufgeführt, da sie an sich nicht besonders sicher ist. Wird sie aber mit einer Lücke bestätigt, muß man sie stark beachten.

Drei neue Hochs

Bei einer ganzen Reihe von anderen Formationen sind Lücken als Bestätigung erwünscht, z.B. beim Dumbling Top.

Bearish und bullish Windows

Darüber hinaus ist jeder Trendlinienbruch (auch wenn ihm nicht drei neue Hochs oder drei neue Tiefs vorangingen), der mit einer Lücke auftritt, besonders bedeutsam. Eine solche Lücke wird als bearishes bzw. bullishes Fenster bezeichnet.

Steigende und fallende Lücken

Hierfür gibt es keine genaue Definition, daher wird auf eine Abbildung verzichtet. Es hängt viel von der Erfahrung ab, ob man eine Lücke als Trendbestätigung auffasst oder als Erschöpfungslücke. Eine Trendbestätigungs-Lücke, also je nach Richtung des Trends, ein Falling oder Rising Window ergibt sich in der Regel zu Beginn des Trends, in der ersten Hälfte oder schon kurz nach dem Anfang. Sie kann aber auch noch im zweiten Drittel des Trends auftreten als Fortführungslücke. Entscheidend ist, daß die Korrektur nach der Lücke diese nicht ganz schließt und der Trend nicht allzu lange verharrt, sondern bald zügig weitergeht. Meist nach drei bis sieben Kerzen, die in die Lücke korrigieren. Die Lücke sollte dabei nicht ganz geschlossen werden und wenn doch, dann sollte der Kurs nicht weitergehen, sondern sofort in Trendrichtung wieder wenden. Wichtig ist auch die Beachtung des Volumens. Wenn nach einer Lücke die Kursentwicklung weitergeht, dann tut sie dies meist unter hohem Volumen. Dies bestätigt dann das Vorliegen eines Rising oder Falling Windows. Als Running Window bezeichnet man ein fallendes oder steigendes Fenster, dem eine sehr lange Kerze folgt in Trendrichtung.

Candlestick-Lücken und Bullen- und Bärenfallen

In Japan gilt die Regel, daß eine Trendwende erst dann vollzogen ist, wenn die letzte Lücke davor geschlossen wird, nach Möglichkeit natürlich, nachdem alle Lücken, die zuvor auftraten, geschlossen wurden. In Verbindung mit einer Trendlinie läßt sich dies gut benutzen, um Bullen-oder Bärenfallen zu identifizieren. Wir sehen einen Trendliniendurchbruch erst dann als bestätigt an, wenn die letzte Lücke zuvor geschlossen wurde. Nach den herkömmlichen Regeln der Chart-Analyse wird diese Situation als bullish betrachtet (eine abwärts führende Trendlinie wurde durchbrochen und die Kurse sind noch nicht darunter gefallen, auch noch nicht unter den Tiefpunkt. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß sich der Abwärtstrend fortsetzt. Das letzte Fenster (Lücke), das mit einem Pfeil gekennzeichnet wurde, ist nicht geschlossen worden. Es handelt sich also wahrscheinlich um eine Bullenfalle.