Trading Strategien mit dem ADX

Trading Strategien mit dem ADX

Der ADX ist der bekannteste und nach wie vor am meisten benutzte Trendindikator. Er ist jedoch keinesfalls der beste Trendindikator, es gibt modernere Indikatoren, die Besseres leisten. Ein Beispiel ist der Fraktale Trend-Index von Eric Been. Die im folgenden beschriebenen Handelsstrategien funktionieren auch mit dem fraktalen Indikator, sofern man einige Anpassungen vornimmt. Auch der RAVI teilweise sogar der RMI, obwohl von Haus aus ein Trendfolgeindikator, ist im übrigen für die meisten Strategien sehr gut geeignet. In der Literatur sind aber noch die meisten geprüften Handelsstrategien mit dem alten ADX verbunden. In späteren Artikeln werden besonders die Möglichkeiten des RAVI und des fraktalen Trend-Index beleuchtet. Der Sinn dieses einführenden Artikels liegt darin, zu zeigen anhand der vorhandenen ADX-Strategien, wie man sinnvoll einen Trend-Indikator benutzen kann, da dies eine Voraussetzung ist für ein erfolgreiches Handelns an den Märkten.

Strategien mit dem ADX allein

Am bekanntesten ist der Ansatz, zu warten bis der ADX unter 15 fällt, was signalisiert, daß bald ein größerer Trend einsetzen wird. Diese Strategie ist sehr wichtig, allerdings empfiehlt es sich auch hier natürlich für das genaue Timing und die Richtung des Trends, noch andere Indikatoren hinzuzuziehen. Benutzt man statt des ADX den RAVI, so müßte das unter 0,5% heißen, jedenfalls bei der Ursprungsformel. Normalerweise sollte man positioniert sein, spätestens, wenn der ADX 25 erreicht, da meist schon ein Großteil der Bewegung dann schon vorbei ist. Erreicht der ADX einen Extremwert von über 45, geht die Bewegung wahrscheinlich noch weiter, weshalb man entsprechende Strategien einsetzen kann. Man kann das Momentum des ADX nehmen und hieraus Handelssignale ableiten.

Die meisten Bullen- und Bärenfallen, also Ausbrüche über Widerstands- und Unterstützungslinien, sowie Trendlinien, die scheitern, finden bei einem fallenden ADX statt. Daher kann man die Mehrzahl dieser falschen Breaks herausfiltern, das Ganze funktioniert besonders gut beim Daytraden, z.B. bei einem ADX für 13 Bars. Bei einem fallenden ADX wird man daher Oszillatoren einsetzen, sowie vor allem die Anti-Breaksysteme, während bei einem steigenden man auch Breaksysteme verwenden kann. Eine der wichtigsten Anwendungen liegt im Bereich des Schreibens von Optionen. Man nutzt hier die Tatsache aus, daß auf eine Wende im hohen Bereich beim ADX zwar keineswegs immer eine Trendfolge folgt, aber so gut wie immer eine Konsolidierungsphase und eine Seitwärtsbewegung reicht schon für den Optionsschreiber, um Gewinne zu erzielen.

ADX und Kursmuster

Eine Vielzahl von Systemen verbindet den ADX mit speziellen Kursformationen oder Kursmustern.

ADX-Lücken von Bradford-Raschke und Connors

Für das Long-Gehen, also für das Kaufen, gelten folgende Regeln (für das Verkaufen muß man die Regeln entsprechend umdrehen):

  • Es wird mit einer Lücke nach unten eröffnet.
  • Im Verlauf des heutigen Tages wird die Lücke geschlossen und wir gehen in den Markt, etwas oberhalb des Vortages-Tiefs.
  • Der 12er-ADX sollte größer sein als 30 (meist reicht 25) und der +DI von 28 sollte über dem von -DI liegen.

Der 1-2-3-4-Ansatz von Jeff Cooper

Das System stammt von Jeff Cooper, er wertete eine Idee von Gann aus, der schrieb, daß Märkte, die entweder sehr stark oder sehr schwach sind, normalerweise nicht mehr als drei Tage korrigieren. Die statistische Auswertung zeigte, daß dies in der Tat mit erstaunlicher Häufigkeit der Fall ist. Daher verbanden wir hier einen Trendmesser, nämlich den ADX und Mustererkennung. Der 14-Tage-ADX muß größer als 30 sein, nach Möglichkeit noch größer. Weiterhin muß der 14-Tages +DI für Käufe größer sein als der -DI.

Man wartet dann auf eine 1-2-3-Korrektur, also drei aufeinanderfolgende Bars mit tieferen Tiefs, alternativ ist jede Kombination möglich von zwei tieferen Tiefs und einem Inside-Tag. Am vierten Tag (und nur am 4.) kauft man dann über dem 3-Tages-Hoch. Diese Position hat eine sehr große Gewinnerwartung, so daß es vorteilhaft ist, hier mit etwas weiteren Stops zu arbeiten als gewöhnlich. Weiterhin ist zu beachten, daß dieses Verfahren bei allen Märkten funktioniert, also auch bei Futures und Einzelaktien. Ganz besonders ist sie auch zum Kauf von Optionen geeignet.

ADX in Kombination mit anderen Indikatoren

Die Möglichkeiten sind ebenfalls vielfältig. Grundsätzlich ist es so, daß bei fallendem ADX die Oszillatoren gute Signale geben und bei steigendem ADX die Trendfolgeindikatoren. die folgenden Systeme sind nur Beispiele.

Der „Heilige Gral“ von Connors und Bradford-Raschke

Der 14er-ADX sollte über 30 stehen und steigen (oft reicht auch schon ein niedrigerer Wert). Der Markt sollte sinken. Das System kann man zwar auch für Kaufgeschäfte benutzen, funktioniert aber besser bei Leerverkaufs-Geschäften, also beim Shorten. Man wartet bis die Kurse in dieser Situation innerhalb ihrer Aufwärtskorrektut bis zur Linie eines 20-Tage-EMAs gestiegen sind. Meist steigen sie auch leicht darüber hinaus.

Man verkauft jetzt unter dem Tief des Signaltages. Wird man ausgestoppt, dann legt man jeweils eine neue Order wieder unter den Tiefstkurs des Vortages, da meist die Abwärtsbewegung sich noch fortsetzen wird. Das System ist natürlich ausbaufähig in alle Richtungen und kann mit anderen Indikatoren in kleineren Zeitrahmen auch für das Daytrading verwendet werden.

ADX-Stochastik von Jeff Cooper

Der 14er-ADX sollte über 35 sein. Dann gibt eine 8er-Stochastik ein Kaufsignal, wenn sie unterhalb von 40 nach oben dreht. Und ein Verkaufssignal, wenn sie oberhalb von 60 nach unten dreht. Bei diesem einfachen System kommen häufig Fehlsignale vor, da Stochastik relativ langsam ist. Es empfiehlt sich daher, andere Oszillatoren zu nehmen, z.B. die Double Stochastic oder einen modernen Oszillator, wie das Ultra Smooth Momentum.

ADX und historische Volatilität

Die historische Volatilität ist vor allem interessant, um das Konzept der Kontraktion und Expansion empirisch zu messen. Eine ganze Reihe von Systemen verwenden das als eines ihrer Signale, daß die kurzfristige Volatilität stark unterhalb einer längerfristigen Volatilität fällt. So auch das hier vorgestellte System von Derek Gipson. Der 14er-ADX sollte über 25 liegen und der 14er +DI über dem -DI für Käufe, umgekehrt für Verkäufe. Die sechstägige Volatilität sollte maximal 40% der 100tägigen Volatilität betragen.

Man geht in den Markt für Käufe, wenn der Höchstkurs des Signaltages überschritten wird, bei Verkäufen natürlich, wenn der Tiefstkurs überschritten wird. Die Verbindung von Volatilität und ADX bzw. Volatilität und anderen Trendindikatoren, wie dem RMI oder dem Fraktale Trend-Index und modernen Oszillatoren, bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, interessante Systeme zu entwickeln.

Variante für Daytrader von Connors

Die Eintrittsregeln sind im Prinzip die gleichen. Hier geht man nach der Eröffnung oberhalb bzw. unterhalb des ersten 15-Minuten-Bars bzw. Kerze, in den Markt. Die Gewinne sollten am Nachmittag mitgenommen werden.